Fischerei am Bielersee

01.01.2019 –

Prallel zum Fischweg am Uferweg zwischen Twann und Ligerz zeigt das Rebbaumuseum Hof eine neue Ausstellung zur Fischerei am Bielersee. Mit vielen alten Fotografien, Dokumenten und Fischerutensilien von der Ur- und Frühgeschichte bis heute wirft diese einen Blick auf die Geschichte der Berufsfischer.

Dem Ufer entlang zwischen den Schiffsanlegestellen Twann und Ligerz ist der Fischweg angelegt, der in neun Stationen verschiedene Aspekte der Fischerei wie Ökologie, Nahrungskette, Fischgeburt oder Fischarten behandelt. Es lohnt sich, den Fischweg (www.fischweg.ch), der am 3. Mai 2014 offiziell eröffnet wird, zu begehen und viel Wissens-wertes über Fische und die Fischerei zu erfahren. 

Auf dem Fischweg erfährt man jedoch wenig über die Geschichte der Fischerei. Ein idealer Stoff für das am Ende (oder Anfang) des Fischweges stehende Rebbaumuseum, das sich zwar primär dem Weinbau verschrieben hat, aber auch mal ein fremdes und doch mit der Geschichte der Seebutzen eng verbundenes Thema aufnehmen darf. Mit finanzieller Unterstützung von mmBE Akzent, einer Förderinitiative des Vereins der Museen im Kanton Bern, konnte so im Museum eine Ausstellung zur Fischerei am Bielersee realisiert werden. 

Heute ist die Fischerei in der Schweiz als Beruf fast ausgestorben und zum Freizeitvergnügen geworden, aber im Mittelalter und noch weit bis ins 20. Jahrhundert hatte die Fischerei im Seeland eine grosse wirtschaftliche Bedeutung und war eine bedeutende Verdienstquelle. Zudem leistete sie einen wesentlichen Beitrag zur menschlichen Ernährung; die Fische waren als eiweisshaltige Speisen seit Jahrhunderten eine wichtige Nahrungsquelle. 

Im Gegensatz zum Rebbau ist die Fischerei durch die Erforschung der Seeufersiedlungen – insbesondere in Sutz-Lattrigen und Twann – und die dabei gemachten archäologischen Funde von Fischschuppen und Fischknochen sowie Fanggeräten bereits seit dem 4. Jahrtausend v.Chr. belegt. Die ersten Menschen, die seit der Jungsteinzeit in den Dörfern rund um den Bielersee siedelten, betrieben neben Ackerbau, Viehzucht und Jagd auch Fischfang. Davon zeugen Netze, Reusen, Angeln und Harpunen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden. 

Die Klöster, die im frühen Mittelalter als erste Besitzer der Reben erwähnt sind, waren auch die Inhaber der Fischerei-Privilegien. Die früheste schriftliche Kunde zur Fischerei im Seeland stammt aus dem Jahr 817. Der Frankenkönig Ludwig schenkte dem Hochstift der Marienkirche Lausanne das Recht, in der ausfliessenden Zihl bei Bürglen zu fischen. Weitere Fischenzenbesitzer am Bielersee waren die Abtei St. Johannsen in Erlach, das Kloster Gottstatt und das Cluniazenserpriorat auf der St. Petersinsel. Im 12. Jh. besassen die Grafen von Neuenburg-Nidau das Fischereirecht im Bielersee. Nach 1388 ging dieses Recht grösstenteils an Bern über, aber mit dem Bischof von Basel, zu dessen Herrschaftsgebiet Biel und La Neuveville gehörten, gab es immer wieder Streit um die Hoheitsrechte auf dem See. Nach der Einigung mit dem Bischof erhielt Bern 1487 schliesslich die Rechte über den ganzen See.

Die Fischerei unterlag strengen Regeln, die in Fischereiordnungen festgehalten und an den Fischermaien (Tagungen der Fischer) diskutiert wurden. Aus dem späten Mittelalter und dem Ancien Régime sind mehrere Fischereiordnungen erhalten. Die Fangmethoden änderten sich im Laufe der Zeit wenig; dies zeigen die Fischfanggeräte aus den archäologischen Grabungen und die bis heute verwendeten Fanggeräte. Geändert haben sich jedoch die Materialien: Anstelle von natürlichen Materialien wie Knochen, Geweih, Holz, Schilfrohr und Pflanzenfasern (Hanf, Flachs, später Baumwolle) kommen seit Mitte des 20. Jahrhunderts nur mehr Kunststoffe und andere High-Tech-Materialien zum Einsatz.

Auf dem Bielersee sind heute neun Berufsfischer in sieben Betrieben tätig. 1918 wurden auf dem Bielersee noch 57 patentierte Berufsfischer gezählt. Ihre Zahl hat im 20. Jahrhundert kontinuerlich abgenommen. Die meisten Fischer waren aber früher nicht Berufsfischer im heutigen Sinn, sie übten als Landwirte oder Handwerker noch andere Berufe aus, insbesondere waren sie am Nordufer des Bielersees entlang auch als Rebleute tätig. Der Rebbau und die Fischerei waren am Nordufer des Bielersees sicher die wichtigsten Erwerbsquellen.

Rings um den Bielersee, insbesondere bei den Berufsfischern selber, haben wir Fotografien aus der Fischerei gesammelt. Wir sind stolz, Ihnen eine erste umfangreiche Sammlung von Bildern von Fischern, von Fischereibetrieben, vom Fischen und von Fischen zeigen zu können.

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